Waldemar Kesler

Kürzel: wak

Meine früheste bewusste Erinnerung an Comics ist, dass ich mich als Kind so sehr in Supergirl verliebt hatte, dass ich nicht ohne einen bestimmten Band neben meinem Kopfkissen einschlafen wollte. Heute betrachte ich diese Episode auch als früheste amouröse Verirrung. Sonst sind sich meine Vorlieben allerdings ziemlich treu geblieben: Batman statt Superman, Donald statt Mickey, Blueberry statt Corto Maltese.

 

Dass der Comic das Beste aus Bild und Wort vereint, hatte ich im zwischenzeitlichen pubertären Bildungsdünkel allerdings völlig vergessen, so dass mich erst mein guter Freund Peter während unserer gemeinsamen Studientage daran erinnern musste. Damals begann er plötzlich, sich sämtliche Bände von Lewis Trondheim zuzulegen, was bei meinem frankophilen Schlag nicht ohne Folgen bleiben konnte. Seitdem erkunde ich leidenschaftlich die Welt der französischen Comicgenies, mein absoluter Liebling ist Joann Sfar, daneben machen Manu Larcenet, Dupuy-Beberian, Marc-Antoine Mathieu, Christophe Blain, David B. und natürlich weiterhin Trondheim ihm diesen Platz immer wieder streitig.

 

Nicht erst, seitdem mir jüngst Robert Kirkman mit seiner genialen Reihe «The Walking Dead» gezeigt hat, zu welch Höhenflügen Genrecomics ansetzen können, ist mir klar, dass hinter jeder Ecke die erstaunlichsten Entdeckungen warten. Manchmal sperren sie sich jahrelang, um eines Tages unvermittelt mit ganzer Macht einzuschlagen, wie es mir mit «Krazy Kat» erging, einem heissen Anwärter auf meine All Time Favourites.

 

Ich schreibe über Comics, weil gute Rezensionen wie ein gutes Gespräch sind: Man steigt vorübergehend aus seiner eigenen Perspektive heraus, um andere Möglichkeiten der Wahrnehmung zu erkunden und Einsichten zu gewinnen, die man von selbst nicht gehabt hätte. Wenn ich einigen Leser eine neue Perspektive erschliessen könnte, wäre ich zufrieden.

 

Zur Person

Waldemar Kesler, Jahrgang 1978, wohnt heute aus Überzeugung in Berlin, wo er als freischaffender Lektor und Journalist arbeitet. Davor schloss er im hessischen Provinzstädtchen Marburg ein Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie ab, widmete sich gleichzeitig aber als Theaterleiter seinem geliebten «Trauma-Kino». Es folgte ein Fernstudium zum «Fachjournalismus» und eine tragischerweise unabgeschlossene Dissertation an der Universität Lausanne zum Thema «Identitätskonstruktionen, -krisen und -zusammenbrüche in den Romanen von Markus Werner».

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