Roland, Ritter Ungestüm 2
Reifejahre eines verliebten Cholerikers
Im ersten Teil der schön ausgestatteten Sammelbände der Abenteuer von «Roland» zeigte sich der «Ritter Ungestüm» in spe als mittelalterlicher Donald, der bei jeder harmlosen Neckerei gleich in die Luft geht und sich mit seinem Profilierungszwang den Erwachsenen gegenüber ständig selbst im Weg steht. Trotz seiner aufbrausenden Art und seines jugendlich schwächlichen Körpers gelang es dem einstigen Knappen mit Geschick, zum Baron und Ritter aufzusteigen und Artus' Tochter zu bezirzen.
Im zweiten Band der Jugendserie von François Craenhals (Cross Cult, zirka 50 Franken) entflieht Roland seinen Lehenspflichten, um das Abenteuer zu suchen, das sich ihm in Gestalt von zerstrittenen Wikingern, aufständischen Iren und drei furienhaften Frauen entgegenstellt. Während Craenhals anfangs das Thema der jugendlichen Selbstfindung in die idealisierte Welt des Artushofs hinein versetzte, zeigen die folgenden Geschichten einen bewährten Ritter, dem ein alles andere als idealer König Artus allen Grund zu Zornausbrüchen gibt, weil er ihn immerfort in Frage stellt und nicht als kommenden Schwiegersohn akzeptiert. Die Abenteuer sind mit einigen Referenzen und Subtexten angereichert: Craenhals nimmt ein aufgeklärt-tolerantes Verhältnis zwischen den monotheistischen Religionen in den ritterlichen Kodex auf und lässt den Einfluss des Christentums auf heidnische Völker anklingen.
«Roland» ist als Erzählung von daher nicht so naiv, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag, und funktioniert doch als temporeiches Mittelalterspektakel. Neben den cholerischen Ausbrüchen Rolands garantieren die psychedelischen Farb- und Formverzerrungen der Sixties zudem immer wieder unerwartet witzige Momente. François Craenhals scheint eine so ausgeprägte Schwäche für visuelle Trips gehabt zu haben, dass er seinen Roland regelmäßig in einem Delirium versinken lässt, in dem ihn dann auch mal bunte LSD-Zuckerwürfel umkreisen. Doch unabhängig von solch sympathischen Aussetzern erweist sich Craenhals durchaus als Musterschüler von Hal Foster. (wak)
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Hellboy 10: Die wilde Jagd
König Artus verpflichtet
Nach einer längeren Frist von beinahe zwei Jahren nimmt der zehnte Band von «Hellboy» (Cross Cult, zirka 35 Franken) den Faden des neunten auf. Hellboy wird von einem mysteriösen Club, dem er bereits im 5. Band „«Die rechte Hand des Schicksals» begegnet war und dessen Mitglieder nicht zu altern scheinen, zu einer Jagd auf Riesen eingeladen und in einen Hinterhalt gelockt. Die Begegnung mit den Riesen führt Hellboy erneut seine Bestimmung als Zerstörer der Welt vor Augen, was umso ungelegener kommt, als sich hinter seinem Rücken der endzeitliche Kampf zwischen den Armeen von Gut und Böse anbahnt.
In einem Interview im Anhang kündigt Hellboys Schöpfer Mike Mignola an, dass bald grosse Änderungen bevorstünden. «Die wilde Jagd» bereitet die Leser auf diesen erzählerischen Umbruch vor. Mignola verknüpft die Identitätskrise Hellboys mit der mittelalterlichen Sage um König Artus und Elementen aus der keltischen Mythologie. Es ist nicht nur atmosphärisch einer der düstersten Bände aus der Reihe um den paranormalen Ermittler. Hier zeigt sich, wie richtig Mignolas Entscheidung war, mit dem Zeichner Duncan Fegredo zusammenzuarbeiten: Seine Bilder bewahren die intensiven Kontraste aus der Schwarzweiss-Periode und vertiefen sie durch ein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten. Nicht nur die suggestiven Schlusspanels erwecken Erwartungen, dass Hellboy nun neue Pfade betreten wird, die ihn endgültig zu seiner Bestimmung hinführen werden. (wak)
